Vietnamesischer Milliardär entwickelt mit Infineon-Hilfe humanoide Roboter

Vietnamesischer Milliardär entwickelt mit Infineon-Hilfe humanoide Roboter

Juni 9, 2026 Aus Von Heiko
Mit dem "VR-H3" präsentierte Vinrobotics vor wenigen Tagen seinen ersten humanoiden Roboter aus Vietnam. Foto: Vinrobotics

Mit dem „VR-H3“ präsentierte Vinrobotics vor wenigen Tagen seinen ersten humanoiden Roboter aus Vietnam. Foto: Vinrobotics

Deutsche beliefern Vinrobotics mit Chips und gründen Kompetenzzentrum in Hanoi

München/Hanoi, 09.06.26. Nach dem Einstieg in den Automobilbau plant die „Vingroup“ aus Hanoi den nächsten industriellen Coup: Der vietnamesische Milliardär Pham Nhat Vuong und sein Mischkonzern haben mit „Vinrobotics“ eine neue Tochtergesellschaft gegründet, die sich auch einem ganz großen Trendthema widmet: Sie soll humanoide Roboter entwickeln, die ähnlich wie Menschen aussehen, laufen, sich bewegen und Aufgaben lösen können. Der deutsche Mikroelektronik-Konzern „Infineon“ hat dafür nun Chip-Zulieferungen zugesagt. Außerdem wollen beide Unternehmen ein gemeinsames Vinrobotics-Infineon-Competenz-Centrum (VRICC) in Hanoi gründen. Das geht aus Mitteilungen von Infineon und Vinrobotics hervor.

„Initiativen wie diese legen den Grundstein für eine neue Generation von in Vietnam entwickelten Robotik-Lösungen.“
Vinrobotics-Chef Ngo Quoc Hung

Vinrobotics will durch internationale Partnerschaften rasch Technologie akkumulieren

Durch Kooperationen mit internationalen Partnern wie Infineon will Vinrobotics-Chef Ngo Quoc Hung rasch genügend technologische Expertise für sein Unternehmen akkumulieren, um bald „intelligente Roboter der nächsten Generation“ herstellen zu können. Dies seien Grundsteine „für eine neue Generation von in Vietnam entwickelten Robotiklösungen, die sowohl den heimischen Markt bedienen als auch schrittweise auf internationale Märkte expandieren werden“.

Vertreter von Vinrobotics und Infineon haben in Hanoi eine Absichtserklärung unterschieben, die u.a. eine gemeinsame Entwicklung von humanoiden Robotern vorsieht. Foto: Vinrobotics via Infineon

Vertreter von Vinrobotics und Infineon haben in Hanoi eine Absichtserklärung unterschieben, die u.a. eine gemeinsame Entwicklung von humanoiden Robotern vorsieht. Foto: Vinrobotics via Infineon

Infineon hat unter anderem zugesagt, an die Vietnamesen geeignete Mikrocontroller, Leistungselektronik, Sensoren sowie Technologien für Konnektivität, Datensicherheit und funktionale Sicherheit zu liefern. Außerdem haben die Deutschen Schulungsprogramme für die Forschungs- und Entwicklungsmitarbeiter von Vinrobotics versprochen. Die Vietnamesen wollen in die Partnerschaft ihre selbstentwickelten Roboterplattformen sowie ihre Robotik- und KI-Expertise einbringen.

Das ist auch für die deutsche Seite interessant: Im Zukunftssektor „Humanoide Roboter“ führen bisher die US-Amerikaner und die Chinesen. Auch Deutschland will hier aufholen. Insbesondere Sachsen – wo Infineon seine meisten deutschen Chipfabriken betreibt – bereitet derzeit eine Robotik-Offensive vor, die insbesondere auch auf einen eigenen Hersteller von „Humanoiden“ zielt. Eine Zusammenarbeit mit Vietnam, das sich auf dem Sprung zu einem Schwellen- und Industrieland befindet, viele junge Fachkräfte und insbesondere auch Softwareexperten hat, könnte da beiden Seiten helfen.

Infineon verspricht „elektronische Grundlage für Physical AI im industriellen Maßstab“

„Mit unserer tiefgreifenden Systemkompetenz über den gesamten Stack hinweg liefern wir die elektronische Grundlage für Physical AI im industriellen Maßstab“, verspricht Infineon-Manager Philipp von Schierstaedt. Die Zusammenarbeit mit der Vingroup-Tochter ziele darauf, „die Entwicklung humanoider Roboter der nächsten Generation zu beschleunigen, für den Einsatz in Industrie, Dienstleistung und privatem Umfeld gleichermaßen“.

Pham Nhat Vuong. Foto: Vingroup

Pham Nhat Vuong. Foto: Vingroup

Der Strippenzieher im Hintergrund

Vingroup-Gründer Pham Nhat Vuong hatte seine Robotik-Tochter im November 2024 gegründet. Als Stammkapital stellten der Milliardär und sein Mischkonzern zunächst 40 Millionen Dollar (35 Millionen Euro) zur Verfügung. Mehrheitseigner von Vinrobotics ist mit 51 Prozent die Vingroup, die restlichen Anteile halten Pham Nhat Vuong sowie seine Söhne Pham Nhat Quan Anh und Pham Nhat Minh Hoang. Neben humanoiden Robotern soll die neue Tochtergesellschaft auch andere intelligente Roboter und Roboterprodukte entwickeln und herstellen.

Pham Nhat Vuong stampfte in Vietnam zuletzt eine ganze Autoindustrie aus dem Boden

Ein ähnliches Konzept hat Pham Nhat Vuong zuvor bereits mehrfach – wenn auch mit wechselhaften Erfolgen – durchexzerziert. So baute der Milliardär mit Unterstützung von BMW und italienischen Designschmieden mit „Vinfast“ erstmals einen eigenständigen vietnamesischen Autohersteller auf. Weil die Geschäftsergebnisse zunächst zu wünschen ließen und vor allem der Verkauf der vietnamesischen Stromer im Westen weit zäher anlief als gedacht, schoss Pham Nhat Vuong in der Folge auch mehrfach Kapitalspritzen aus seinem Privatvermögen nach. Nach einer Umorientierung auf den nationalen Markt sowie die Märkte in Indonesien und Indien laufen die Vinfast-Geschäfte anscheinend nun auch etwas besser – auch wenn die Vinfast-Autos selbst im eigenen Land nach wie vor mit Reputations-Problemen kämpfen. Letztlich zeigt aber das Vinfast-Beispiel: Wenn sich dieser vietnamesische Milliardär etwas in den Kopf gesetzt hat, dann lässt er so schnell nicht locker. Was heißt: Humanoide Robotik ist zwar technologisch anspruchsvoll und für die vietnamesische Industrie noch Neuland. Aber unterschätzen sollte man den Aufholwillen und die Lernfähigkeit in Hanoi, Hai Phong und Ho-Chi-Minh-Stadt auf keinen Fall.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Infineon, Vinrobotics, Oiger-Archiv, Bitkom, Wikipedia