Wie eine Straße in Vietnam queren?

Wie eine Straße in Vietnam queren?

März 9, 2023 Aus Von Heiko
Moped-Heere in Ho-Chi-Minh-Stadt. Foto: Heiko Weckbrodt

Moped-Heere in Ho-Chi-Minh-Stadt. Foto: Heiko Weckbrodt

Tipps für den Straßenverkehr in Saigon & Co.

Saigon, 8. März 2023. Viele Europäer fühlen sich bei ihrem ersten Besuch in Saigon oder anderen Großstädten in Vietnam oft wie erschlagen vom Straßenverkehr: Das Gewühl aus hupenden Mopeds, Autos, Bussen und Lastern erscheint wild und chaotisch. Daher hier ein paar Tipps für den Weg des gemeinen Touristen über vietnamesische Straßen – vor allem für Fußgänger.Regel Nummer 1: Auf Vietnams Straßen herrscht das Recht des Stärkeren, das aber durch fortwährende Aushandlungsprozesse aufgeweicht wird. In der Hackordnung ganz unten stehen Fußgänger, ganz oben die Auto- und Lasterfahrer, dazwischen die Moped-Massen – und Verkehrsregeln in europäischem Sinne haben hier höchstens Orientierungscharakter.

Straße als Fußgänger queren

Um eine Straße in Kleingruppen zu queren, sucht man sich eine Austastlücke im nie endenden Mopedstrom und läuft langsam und in einer Querreihe nebeneinander los. Wichtig ist, dabei fortwährend Blickkontakt zu den sich nähernden Mopedmobilisten zu suchen – die schwenken entweder um uns herum und drehen das Gas auf, um uns zu zeigen, dass sie vor uns durchfahren werden. Wichtig ist dabei, sich nicht auf das deutsche „Links-Rechts-Links“-Gucken zu verlassen, sondern auch die ganze Zeit hin und her zu schauen. Denn in Vietnam sind nicht wenige Mopeds als Geisterfahrer unterwegs, die der Bequemlichkeit halber am Rande der Gegenfahrbahn unterwegs sind. Hinzu kommt speziell in Saigon, dass die Straßen dort so überfüllt sind, dass ganze Mopedströme mit Affentempo über die Fußwege heizen – auch darauf sollte man jederzeit gefasst sein. Und: Selbst an Kreuzungen mit Ampeln darf sich der Fußgänger nicht auf die in Deutschland üblichen Regeln verlassen: Um das Grün für Passanten scheren sich Auto- und Mopdfahrer überhaupt nicht, wenn sie links oder rechts abbiegen wollen. Zudem ist es in Vietnam üblich, trotz roter Ampeln rechts abzubiegen – ähnlich wie bei uns an den Ampeln mit Grünem Pfeil.

Quert man nun die Straße als Fußgänger, gilt es vor allem, abrupte Bewegungen zu vermeiden – dann wird man statistisch gesehen auch normalerweise nicht überfahren. Das klingt für deutschen Geschmack vielleicht vage, funktioniert aber im Großen und Ganzen: Erstaunlicherweise passieren in Vietnam weit weniger Verkehrsunfälle, als man erwarten sollte.

Die Alternative: Gar nicht gucken

Übrigens gibt es noch eine Alternative, die aber länger dauert: In der Praxis schlurfen auch viele Vietnamesen in Zeitlupe über die Straße, wobei sie eisern in den Himmel, auf den Boden oder auf ihr Smartphone starren, aber auf keinen Fall auf die herantosenden Moped- und Autoströme. Klappt auch meistens – man braucht nur viel Nerven und viel Zeit.

Das Gehupe

Die Huperei nervt sicher und trägt neben zeternden Nachbarn und überlauter Musik zum Dauerlärm in Vietnams bei. Die Hupe hat aber hier eine andere Funktion als in Deutschland: Sie dient nicht als konkrete Gefahrenwarnung, sondern bedeutet: „Achtung, beiseite, jetzt komme ich.“ Sie soll alle anderen akustisch darauf aufmerksam machen, dass der Hupende mit seinem Fahrzeug naht – dies wird von anderen Verkehrsteilnehmern sogar regelrecht erwartet.

Ampeln

Ampeln gibt es nur sporadisch und man kann sich nicht darauf verlassen, dass sich Mopeds, Autos und Fußgänger daran 100 pro halten. Aus Sparsamkeit gibt es an vielen Kreuzungen nur auf einer Seite Fußgängerampeln, daher lohnt es sich umzudrehen, wenn sich Autos in Querrichtung verdächtig zurückhalten.

Unterwegs mit dem Kleinkind

Wenn das Kind noch nicht laufen kann, plädiere ich inzwischen für die Manduka oder ein Tragetuch. Ich hab’s mit dem Buggy versucht – es ist aber beschwerlich, weil die meisten Fußwege entweder kaputt sind oder von parkenden Mopeds und Straßenhändlern zugestellt sind. Wer’s doch versuchen will, sollte sich für einen kleinen, wenigen Buggy mit breiten Rädern entscheiden.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quelle: Vor-Ort-Erfahrung